XStat-Homepage

Sie befinden
sich bei www.wettersbach-online.de

 



Grün-
wettersbach


STARTSEITE
Grünwettersbach

Orts- und Vereins-Chronik

Straßennamen

Geschichten
Anekdoten

Alte
Ansichtskarten

Heinz Barth

Albert Schneller

Kulturdenkmale

Besondere
Bauwerke

Gedenksteine
Feldkreuze

Naturschutz

Aktuelles + Termine

Links-Seite


STARTSEITE
Palmbach

Kontakt
Impressum

Neues

Inhaltsverzeichnis


Private 
Homepage von
Roland Jourdan


  Listinus Toplisten



       


 

Sie finden hier die Orts-Chronik von Grünwettersbach aus dem Jahre 1974.

Diese Chronik wurde entnommen aus dem Festbuch der Freiwilligen Feuerwehr Grünwettersbach "Zum 50jährigen Jubiläum 18. bis 25. Mai 1974. Die Chronik wurde von Günther Löffler geschrieben.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Freiwilligen Feuerwehr Wettersbach.


 

Chronik von Grünwettersbach aus dem Jahre 1974

— heute Ortsteil der Gemeinde Wettersbach —

Das vordem verhältnismäßig ruhige, rein ländlich geprägte, aber seit der Mitte der 50er Jahre rasch aufstrebende Dorf Grünwettersbach, heute Ortsteil der Gemeinde Wettersbach, liegt im oberen Teil eines idyllischen Waldtales an den nördlichen Ausläufern des Schwarzwaldes; da, wo die fruchtbare Kraichgau-Landschaft beginnt,

Zwar kommt in dem Gemeindesiegel von Grünwettersbach symbolisch zum Ausdruck, dass sich die Gemarkung über vier Höhen erstreckt; jedoch zeigt das Wappen, in silbernem Schild ein über vier blaue Berge schreitender roter Löwe, das Wappen der Grafen von Vaihingen, die einst Patronatsherren von Grünwettersbach waren. Das Dorf hat eine rund 800 Jahre lange geschichtliche Entwicklung hinter sich. Als ältestes Bauwerk aus der Gründungszeit weist der romanische Turm der evangelischen Kirche, im nördlichen Teil des Dorfes auf ansteigendem Hang, in das 12. Jahrhundert zurück. Man darf annehmen, dass der Ort eine Gründung der Zisterzienser-Mönche des im Jahre 1148 von Graf Berthold III. von Eberstein gegründeten Klosters Herrenalb ist, die die Aufgabe hatten, das bis dahin hier bestehende Waldland des Alb-Pfinz-Plateaus, das ein Teil des damaligen Ufgaues darstellte, zu besiedeln. In einer Schenkungsurkunde des Probstes Albert von Remchingen aus dem Jahre 1289 wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt als „Weddirsbach"; 1292 „Weterspach"; 1348 „Wethersbach"; 1395 und 1550 „Wetterspach"; 1479 „Wettersbach"; 1527 „Grienwetterspach"; 1617 „Grünen Wetterspach". Die Namen werden abgeleitet von dem durch das Dorf fließenden Bach. Der „Wetterbach" wiederum soll eine Ableitung vom Bach des „Weter" oder „Withar" sein. Im Gegensatz zu Grünwettersbach steht dabei Dürrenwettersbach, heute Hohenwettersbach. Da Grünwettersbach die Mutterkirche der umliegenden Dörfer war, darf die Annahme begründet sein, dass es die älteste Siedlung in der weiteren Umgebung ist.

Der Probst von St, German in Speyer, Heinrich von Nortenberg, übte bis zum Jahre 1348 das Patronatsrecht der Kirche zu Wettersbach aus und übergab es dann den Brüdern des Johanniterordens. Doch Grünwettersbach scheint auch einen eigenen Adel besessen zu haben. Im Jahre 1389 geloben Balsam und Kraft von Wettersbach, Gebrüder und Edelknechte, den Verkauf eines Hofgutes zu Wettersbach, genannt des „Knüttels Hof", den ihr Vater Werner von Wettersbach der Herrschaft von Württsmberg verkauft hat, anzuerkennen und auf alle Ansprüche zu verzichten. In einem alten Lehnbuch wird 1350 die Belehnung eines Endris von Ysoltshausen mit einem Hof zu Wettersbach erwähnt. Auf weiteren adeligen Besitz lassen der „Hachelingerhof" der Remchinger, der „Mallen-" und der „Gollenhof" der badischen Markgrafen schließen.

Die Lage des Ortes war für die damals ackerbautreibende Bevölkerung günstig. Der Boden war fruchtbar und Holz zum Bauen und Brennen gab es in den weiten Wäldern ringsum genügend. Als Absatzmarkt für die bäuerlichen Erzeugnisse boten sich die umliegenden Städte wie Ettlingen, Durlach und Mühlburg günstig an. Gut befahrbare Wege erleichterten den Verkehr in die Täler der Alb, der Pfinz und des Rheines. Es waren somit günstige Bedingungen vorhanden für ein gutes Gedeihen des Dorfes mit seinen damals 600 Bewohnern, wie überliefert wird. Tatsächlich scheint das Dorf unter der Herrschaft der Durlacher Markgrafen einen solchen Wohlstand gehabt zu haben, dass dieselben, so jedenfalls weiß es die Sage, mit silbernen Pflügen gepflügt und mit silbernen Rädern an den Wagen aufs Feld gefahren sind.

Das einstmals katholische Dorf gehörte bis etwa 1535 zum Kloster Herrenalb, doch schon 1534 wurde in Wettersbach der erste evangelische Pfarrer, dessen Name und Wirksamkeit nicht bekannt ist, angestellt. In oben erwähntem Jahr 1535 wurde das Kloster Herrenalb aufgelöst und somit das Gebiet des Alb-Pfinz-Plateaus herrenlos geworden. Diesen Um­stand nutzte Herzog Ulrich von Württemberg und nahm Besitz von diesem Gebiet. Damit schuf er einen württembergischen Korridor durch markgräfliches Gebiet, und dies, obwohl die Durlacher Markgrafen protestierten, ebenso wie auch der Markgraf Bernhard von Baden-Baden als Schutzherr des Klosters Herrenalb. Dieser allerdings erwirkte ein kaiser­liches Mandat gegen die unerwünschte Besitzergreifung und die Pfarrei wurde vorüber­gehend wieder mit einem katholischen Geistlichen besetzt. Erst von 1549 an folgten in ununterbrochener Reihenfolge lauter evangelische Pfarrer, während die bisherigen Filial­orte Etzenrot, Reichenbach, Busenbach und Stupferich beim alten Glauben blieben. Der Württemberger Ulrich hing der neuen Lehre Luthers an, und somit war auch Grünwetters­bach, als dem württembergischen Korridor, evangelisch geworden, getreu der geltenden Regel „cuius regio ejus religio" — Was der Herr glaubt müssen auch die Untertanen glauben — 1564, das sind 15 Jahre nachdem die verbliebenen Filialkirchen von der Mutter­kirche abgetrennt wurden, wurde die Pfarrei erneuert mit den Tochtergemeinden Dürrenwettersbach und Mutschefbach. Grünwettersbach blieb nunmehr 270 Jahre lang, bis 1806, württembergisch und zinste an das weit entfernte Rentamt in Neuenbürg. In dieser gewaltsamen Grenzziehung hat eine Kuriosität, die allerdings erst 200 Jahre später auftauchte, ihren Ursprung. Im Zusammenhang mit der Verfestigung der Grenzen im 18. Jahrhundert wurde an der Abzweigung der Hohenwettersbacher Straße von der Hauptstraße die nach Wolfartsweier führte, ein Schlagbaum errichtet, der Baden und Württemberg mitten in Grünwettersbach trennte. Der Volksmund nennt noch heute diese Abzweigung den „Zollstock".

Viele Not und Elend brachte der 30jährige Krieg (1618—1648) auch über die Gemeinde Grünwettersbach und die umliegenden Dörfer. Obgleich zu Beginn dieses Krieges bis etwa 1633 keine allzu großen Störungen auftraten und man von den Drangsalen noch verschont geblieben war, brauste die Kriegsfurie um die Jahre 1640 umso furchtbarer über diese Landschaft hinweg. Kroatische und schwedische Horden plünderten und brandschatz­ten den Ort und peinigten seine Einwohner. Eine traurige Sage berichtet, dass man den Pfarrer an ein Scheunentor genagelt hatte und dass bei dem jammervollen Anblick die einzige noch übrige Glocke im Turm angefangen habe zu läuten, wodurch dem misshandelten Pfarrer Hilfe und Rettung zuteil geworden sei.

Durch ein allgemeines Landsterben soll die Gemeinde nahezu völlig entvölkert worden sein. Die Häuser, die vom Feuer nicht zerstört waren, verfielen und die Gärten und Felder wurden zur Wildnis. In einem Protokoll von 1640 findet sich die Notiz, dass die beiden Orte, Grünwettersbach und Mutschelbach, öd und leer stehen.

Nachdem sich das Dorf nach dem 30-jährigen Krieg wieder etwas erholt hatte, wurde es schon 40 Jahre später von neuem Unheil heimgesucht. Bei dem Einfall der Franzosen unter General Melac im Jahre 1689 wurde das Dorf geplündert und niedergebrannt. Die zurückgebliebenen Einwohner wurden misshandelt und mit unerschwinglichen Kontributionen belastet. Einzelne Bürger sollen als Geißeln fortgeschleppt worden sein. Die Grünwettersbacher Handwerker und Bauern überwanden aber auch diesen Schicksalsschlag und gingen an den Neuaufbau des Ortes. Die Jahreszahl 1697 am oberen Türbalken des derzeit ältesten Hauses in Grünwettersbach, einer ehemaligen Dorfschmiede an der Hauptstraße 38 beweist, dass man an einen schnellen, aber keineswegs behelfsmäßigen Wiederaufbau ging.

Was aber war aus den Menschen geworden, die nach all den schrecklichen Kriegsereignis­sen übrig geblieben waren und wie sehr haben sie sich verändert? Pfarrer Specht schreibt in seinem Büchlein von 1887, dass die Sitten verwildert waren und die Unsicherheit um Leben und Eigentum nahmen immer mehr zu. Ehebruch, Trunksucht und Diebstahl waren an der Tagesordnung. Weder Sonn- und Feiertage wurden eingehalten; der Kirchgang wurde versäumt und die besten Geschäfte machten die Wirtshäuser. Wohl sei dagegen scharf gepredigt und harte Strafen angedroht worden mit Einsperrungen im Zuchthäusle, im Block und Stock. Auch Geldstrafen und Kirchenbuße wurde auferlegt; jedoch der Scha­den bei den Menschen sei so tief verwurzelt gewesen als Folge der jahrzehntelangen Kriege, dass alle Strafandrohungen nicht mehr helfen wollten. Es sei dies ein Zustand gewesen, der nicht nur hier, sondern überall im ganzen Volk anzutreffen gewesen sei. Doch auch diese traurigen Zeiten gingen vorüber und durch die erfahrene Not und die vielen Trübsale geläutert, gingen die Menschen einer besseren Zeit entgegen. Dankbar gedachte man dort dem segensreichen Wirken einiger Pfarrer hier im Ort, wie etwa dem Ulrich Mayer, Sigelen, Reich, Reinhard und manchem anderen. Vor allem Pfarrer Ulrich Mayer war es, der durch seine ihm zugeschriebenen übernatürlichen Kräfte im Volk weithin bekannt geblieben war. Während der Zeit seiner Anwesenheit in Grünwettersbach von 1786—1794 heilte er Krankheiten bei Mensch und Vieh und man erzählte sich, dass er ferner noch die Gabe besessen habe, in der Neujahrsnacht alle die Gemeindeglieder zu erkennen, die im kommenden Jahr sterben würden.

Von Bedeutung für die sicherlich damals noch immer recht wenigen Bürger hier im Ort war die Gründung einer Waldensergemeinde auf Grünwettersbacher Gemarkung im Jahre 1700. Für die 28 aus La Balme in Savoyen vertriebenen Familien wurden 340 Morgen Wald­land zur Verfügung gestellt. Sie schufen ein neues Dorf und gaben ihm den Namen „La Balme" — Palmbach. Obgleich es eine, trotz württembergischer Herrschaft, von Markgraf Friedrich Magnus in Durlach angeordnete Zwangsmaßnahme war, gab es keine Feindselig­keiten zwischen den Neuankömmlingen und den wenigen verbliebenen Leuten, die immer­hin noch über 1800 Morgen Land verfügten. Ja, einzelne Waldenserfamilien ließen sich in Grünwettersbach nieder, worauf heute noch die Namen Jourdan, Raviol und Claupein hinweisen.

Allmählich kehrte auch in Grünwettersbach verstärkt der Wille zum Wiederaufbau des Dorfes ein und damit war dann auch wieder die Voraussetzung für einen gewissen Wohlstand der Bürger geschaffen. Der Schulhausneubau im Jahre 1755 in der Kirchstraße 8 kann als erstes Zeichen dafür angesehen werden, dass das Dorf wieder eine Aufwärtsentwick!ung zu vermerken hatte. Auf der Suche nach den Gründen für eine rasche positive Entwicklung des Dorfes im Vergleich zu anderen, stößt man vor allem auch auf die günstigen Boden­verhältnisse in der Gemarkung. Der fruchtbare Lößboden des südwestlichen Kraichgaues bis auf das Grünwettersbacher Gebiet übergreifend, bot die Gelegenheit für einen recht umfangreichen Flachsanbau, der als Grundlage für einen erträglichen Nebenerwerb, der Heimweberei, diente. Die Webstühle klapperten in den Häusern des Dorfes bis zum Jahre 1836, als in jenem Jahr die Spinnerei- und Weberei-Fabrik im Albtal bei Ettlingen gegrün­det wurde. Lange Zeit diente unser Dorf als Reservoir für Facharbeiter in dieser Fabrik. Tag für Tag unternahmen die Grünwettersbacher den einstündigen Weg hinunter ins Albtal, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Name „Spinnereiweg" erinnert noch heute an jene Zeit.

Neben der hauptsächlich betriebenen Landwirtschaft ging ein Teil der Einwohnerschaft aber auch der gewerblichen Arbeit nach, wie etwa der Steinhauerei, worauf noch viele aufgelassene Steinbrüche hinweisen. Heute sind nur noch zwei, die Steinbrüche Barth an der Hohenwettersbacher Straße und Kunzmann-Schäfer zwischen Röthlingweg und Albtalstraße in Betrieb. In zwei nicht mehr bestehenden Ziegeleien wurden Backsteine und Dachziegel hergestellt und auch Kalk gebrannt. Einige Hafner erzeugten einfaches Tongeschirr und boten es zum Teil hier im Ort oder auch außerhalb zum Verkauf an. Im Jahre 1842 gab es in Grünwettersbach: 1 Bäcker, 1 Glaser, 2 Hafner, 2 Händler, 1 Küfer, 1 Krämer, 53 Landwirte, 31 Leineweber, 6 Maurer, 5 Schmiede, 4 Schneider, 2 Schreiner, 13 Schuster, 1 Steinhauer, 1 Strumpfstricker, 29 Tagelöhner, 2 Wagner, 4 Gastwirte, 6 Zim­merleute und 127 waren ohne Gewerbe.

Die nach und nach in Durlach und in Karlsruhe aufkommenden Industriebetriebe zogen mit der Zeit immer mehr Ortseinwohner an, so dass die Landwirtschaft wie auch die bisher noch immer den Lebensunterhalt sichernden handwerklichen Berufe vernachlässigt wurden, um sich der mehr Geld einbringenden Arbeit in der Fabrik zuzuwenden. Selbst diejenigen, die bisher in der Spinnerei und Weberei Arbeit gefunden hatten, orientierten sich allmählich um und suchten die Fabriken in Durlach und Karlsruhe auf. Noch heute erzählt man sich unter den älteren Leuten viele Geschichten aus jener Zeit, die unterwegs von Grünwettersbach über das „Rotenbüschele" und den „Heuberg" nach Durlach oder auf dem Heim­weg geschehen waren. War man doch auch nach Durlach immerhin zu Fuß eine Stunde unterwegs.

Noch einmal aber musste das Dorf einen erheblichen Rückschlag hinnehmen, als im August 1837 ein schweres Unwetter 34 Häuser beschädigte und die ganze noch auf den Feldern stehende Ernte vernichtete. Die Straßen wurden zerrissen und die Brunnen verschüttet. Die Keller und Wohnungen der Häuser waren gefüllt von Geröll und Schlamm. Menschen­leben waren glücklicherweise nicht zu beklagen. Der gesamte Schaden wurde auf 33415 Gulden geschätzt, Mit Hilfe der Nachbargemeinden war man wochenlang damit beschäftigt, den vielen Schutt zu beseitigen und die großen Schäden zu beheben. Auch der Großherzog Leopold von Baden, Grünwettersbach war inzwischen im Jahre 1808 ja wieder badisch geworden, eilte nach Grünwettersbach und bewilligte den beiden schwer betroffenen Ge­meinden Grünwettersbach und Wolfartsweier eine Gabe von 700 Gulden, welcher die Großherzogin Sophie nochmals 300 Gulden und die Markgrafen Wilhelm und Max weitere 250 und 200 Gulden hinzufügten. Hinzu kamen noch weitere Spenden aus der Residenz­stadt Karlsruhe und Umgebung, die teils in Geld, 3348 Gulden, teils in Naturalien gegeben wurden. Eine Sandsteinpyramide, der „Wetterstein" genannt, an der Wetterbachüberquerung zwischen Wolfartsweier und Grünwettersbach, erinnert die Nachwelt an jenes schreckensvolle Ereignis.

Über all dies vergaß die Gemeinde jedoch nicht, den weiteren Aufgaben, die ihr gestellt waren, nachzukommen. Das erste, im Jahre 1755 an der Kirchstraße erbaute Schulhaus, in dem als erster Lehrer hier im Ort ein Georg Christof Hafner wirkte, wurde abgetragen und an seiner Stelle im Jahre 1846 ein neues Schulgebäude mit zwei Klassen und einer Lehrerwohnung erbaut. Im Jahre 1912 erfolgte der Neubau des Schulhauses an der Busenbacher Straße mit vier Unterrichtsräumen und einem separaten Lehrerwohnhaus. Die im Jahre 1866 ins Leben gerufene Kleinkinderschule, die zunächst in einem privaten Raum im Haus Hauptstraße 46 abgehalten wurde, errichtete ihr erstes Kinderschulgebäude im südlichen Teil des Dorfes bei der Wiesenstraße im Jahre 1874. 1907 wurde das Gebäude aufgestockt, um im Obergeschoß Wohnraum für die Krankenschwester und in den bisherigen Unterrichtsräumen solchen für die Kinderschwester zu schaffen, nachdem man in eben diesem Jahr zugleich auch ein Nebengebäude für den Kinderschulbetrieb errichtet hatte. Im Jahre 1880 wurde das alte Rathaus abgebrochen und an gleicher Stelle im Jahre 1881 ein Neubau errichtet. Bis zum Jahre 1892 erfolgte die Wasserversorgung durch mehrere Zieh- und Schöpfbrunnen und von da an durch die 1892 für das Alb-Pfinzplateau errichtete Wasserversorgungsleitung von Singen im Pfinztale her.

Es war wohl auch in den letzten Jahren des vergangenen 19. Jahrhunderts, als in Grünwettersbach die tiefen Bachrinnen, die die Ortsstraßen mehrfach durchschnitten, über­brückt wurden.

Der stark betriebene Tabakanbau hier im Ort war es wohl, der die Gemeinde veranlasste, im Jahre 1888 das erste und einzige Fabrikgebäude, eine Zigarrenfabrik, zu bauen. 1910 wurde das Gebäude erweitert. 1955 verkaufte die Gemeinde das Gebäude an die Firma W. Köhler, die dann eine Wäschefabrik einrichtete. Eine Kleinmöbelfabrik im Jahre 1961 an der Wiesenstraße, Ecke Hauptstraße eingerichtet, beschäftigt heute eine Anzahl hiesiger Einwohner. Außerdem bestehen noch zahlreiche kleinere Handwerksbetriebe. Eine gewisse Bedeutung für Grünwettersbach hat auch der badische Dichter Johann Peter Hebel. Einer seiner Jugendfreunde, J. Ch. Mylius wirkte als Pfarrer von 1817 bis 1831 im Orte, und da Hebel damals Prälat der evangelischen Kirche in Karlsruhe war und dort auch lebte, soll er auch hie und da seinen Freund in Grünwettersbach besucht haben. Die Haushälterin des Pfarrers Mylius namens Veronika Geiger-EI!richhausen aber behauptete in späteren Jahren in ihrem Alter, da Hebel längst der grüne Rasen deckte, sie sei jene Verene, derzuliebe Hebel das Gedicht „Hans und Verene" verfasst habe. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen. Trotzdem wurde diese Frau, die dann einen Rohrer von hier ehelichte, von den Hebelfreunden in Karlsruhe bei den Feiern zu Hebels 100. Geburtstag (1860) als „Hebels Vrenele", wie sie sich selbst bezeichnete, fast in den Mittelpunkt der Hebelfeiern gestellt und für sie Sammlungen veranstaltet. Eine Zeitlang wurde ihr damit aus der Notlage, in der sie sich befand, geholfen. Diese ganze Angelegenheit mit „Hebels Vrenele" gehört aber ins legendäre und fand vielfach eine ganz falsche Auslegung. Indes erinnert aber doch eine Inschrift am Haus Hauptstraße 24 daran, dass in eben diesem Hause „Hebels Vrenele" wohnte.

Nach dem zweiten Weltkrieg erfuhr das Dorf mit dem Eintreffen von nacheinander etwa 400 Heimatvertriebenen und Flüchtlingen im Jahre 1946 und danach, eine gewisse Ver­änderung. Die vormals nahezu rein evangelische Gemeinde erhielt nunmehr einen großen Anteil von katholisch gläubigen Neubürgern, die sich mit viel Eigenhilfe, aber auch durch staatliche Mittel unterstützt, im Gewann „Eichhalden" im südlichen Ortsteil, ihre neuen Heimstätten bauten. Kaum jedoch war die Integrierung dieser Neubürger vollzogen, zeigte sich etwa ab der Mitte der 50er Jahre eine neue Entwicklung dadurch an, dass aus der Umgebung, vor allem aus dem Stadtgebiet von Karlsruhe, eine große Zuwanderung neuer Familien erfolgte, um hier heimisch zu werden. Es entwickelte sich eine überaus rege Bautätigkeit und die Gemeinde war bestrebt, durch die Umlegung von Ackerland neues Bauland für den Wohnungsbau zu schaffen.

Die Ausdehnung des Dorfes vollzog sich zunächst in südlicher, später in östlicher und westlicher Richtung. Es entstanden viele völlig neue Wohngebiete in den Hanglagen, die das alte Dorf umschlossen. So besonders in den Gewannen „Berg", „Löhl", „Reickert", „Eichhalden", und „Ob der Eichhalden", „Reuth", „Wingertacker", „Gräfelsberg", „Horfwald" und jetzt auch, in diesen Wochen und Monaten im Gebiet „Sperling-Krummenacker-Ziegelhütte".

Die Vergrößerung des Ortes und die Zunahme der Einwohnerschaft bewirkte, dass der Gemeinde Grünwettersbach viele neue Aufgaben, die nacheinander zu bewältigen waren, erwuchsen. Neben dem Ausbau und der Verbesserung der Ortsstraßen Mitte der 50er Jahre, erfolgte im Jahre 1957 der Bau einer Friedhofskapelle. In den Jahren 1962/64 wurde das im Jahre 1881 erbaute Rathaus an der Hauptstraße umgebaut und vergrößert. Die Freiwillige Feuerwehr hatte 1962 gegenüber dem Rathaus ein neues Gerätehaus erhalten. Zur Behe­bung der immer mehr zunehmenden Schulraumnot wurde im Jahre 1957 das 1912 erbaute Schulhaus um ein drittes Stockwerk mit weiteren zwei Klassenzimmern vergrößert. Vier weitere Unterrichtsräume kamen hinzu, als man unmittelbar neben das Schulgebäude in der Schulstraße einen Pavillon stellte. Im September 1973 konnte die östlich des Dorfes im Gebiet „Stupfericher Weg" erbaute „Carl-Benz-Schule" als Nachbarschafts-Hauptschule eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. Die bisherigen Volksschulen in Grünwettersbach und Palmbach wurden als Heinz-Barth-Schule und Waldenserschule benannt und bilden heute die Grundschulen der Gemeinde Wettersbach.

Im Gräfelsberg-Gebiet entstand 1957 eine neue katholische Kirche, die auf den Namen des Heiligen St. Thomas geweiht wurde. 1962 schuf sich die Neuapostolische Gemeinde an der südlichen Bergstraße ein neues Gotteshaus. 1962/63 baute die evangelische Kirchengemeinde im Gewann „Horfwald" einen neuen Kindergarten. Der 1874 erbaute und 1907 erweiterte Kindergarten an der Wiesenstraße hatte den Anforderungen nicht mehr genügt. Das Gelände dort wurde samt den Baulichkeiten veräußert. Im März und April letzten Jahres wurde das alte Pfarrhaus bei der evangelischen Kirche, samt dem danebenstehenden Waschhaus und dem Gemeindesaal restlos abgebrochen. Ein neues Pfarrhaus entstand jetzt weiter rückwärts in dem Kirchengelände am Klammweg und das neue Gemeindehaus, das eben im Rohbau fertig gestellt wurde, wurde auf der Stelle errichtet, da das alte Gemeindehaus gestanden hatte.

Die Struktur des Dorfes hat sich in all den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten grund­legend gewandelt. Aus dem einstigen Ort mit einer rein landwirtschaftlich und handwerklich orientierten und etwa ab 1900 auch zur Industrie in den nahegelegenen Städten hin ausgerichteten Einwohnerschaft, wurde in den letzten Jahren eine reine Vorstadt-Wohngemeinde mit völlig neuem Charakter.

Die Verwaltungs- und Gemeindereform in Baden-Württemberg tat ihr übriges zu der neuen Entwicklung hinzu. Nach zunächst langwierigen Verhandlungen und vielen Gesprächen anfänglich mit den Gemeinden Hohenwettersbach, Wolfartsweier, Stupferich und Palmbach zur Bildung einer Großgemeinde, erwuchs, nachdem sich zuerst Stupferich, dann Hohenwettersbach und zuletzt auch Wolfartsweier nach Karlsruhe orientierten, aus der zuletzt übrigbleibenden Fusion mit der Gemeinde Palmbach am 1. Januar 1972 die Gemeinde Wettersbach mit insgesamt heute 4700 Einwohnern in den beiden Ortsteilen Grünwettersbach und Palmbach.

Kaum jedoch war die junge Fusionsgemeinde ein halbes Jahr alt, zogen neue, die Selbständigkeit der Gemeinde Wettersbach bedrohende dunkle Wolken am Horizont auf. Was man in der Gemeinde mit allen Mitteln und unbedingt verhindern wollte trat ein: die Landesregierung bestimmte schließlich die Zuordnung der Gemeinde nach Karlsruhe. Die Flucht nach vorne antretend, nahm die Gemeinde die Verhandlungen über einen Eingliederungsvertrag auf freiwilliger Basis mit Karlsruhe auf, der nun voraussichtlich zum 1. Januar 1975 vollzogen und eingelöst wird.

Günther Löffler 1974

Quellen:
„Ein Beitrag zur Heimatgeschichte" von Pfarrer J. Specht, 1887
Gemeindearchiv Grünwettersbach
Archiv der evangelischen Kirchengemeinde
Aufzeichnungen des Heimatforschers Oberlehrer i. R. Hans Felkl

 

 

www.wettersbach-online.de