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Maulbeerbaum
- eine fast vergessene Kulturpflanze
gesehen in Ötisheim -
Schönenberg Waldenser ? - Maulbeerbaum?
- Seidenraupe? - da war doch was.
Als die Waldenser nach Württemberg kamen,
züchteten Sie - wie in ihrer Heimat -
Seidenraupen, um von den Kokons Fäden für Seidenstoffe zu
gewinnen. Es wurden Maulbeerbäume gepflanzt, die als Futterquelle für die
Seidenraupen dienten. Bei Schönenberg legten die Waldenser größere
Maulbeerplantagen an. Die Maulbeerbäume, die die Waldenser aus ihrer alten
Heimat mitbrachten, gediehen jedoch bei uns nicht besonders.
Palmbacher Maulbeerbaum, Früchte
im Jahr 2001.
Zum Vergrößern anklicken.
Den Name "Maulbeerbaum" haben viele schon einmal gehört,
auch dass ein Zusammenhang mit Seidenraupen besteht, schießt den Befragten
durch den Kopf - aber gesehen haben einen Maulbeerbaum die allerwenigsten. Und
in der Tat, Maulbeerbäume stehen nicht an jeder Straßenecke, obwohl sie mit zu
den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit zählen. Es waren die alten
Chinesen, die zu Zeiten als unsere Vorfahren in Europa als Steinzeitmenschen in
Höhlen hausten, bereits vier Tausend vor Christus mit der Kultur der Maulbeerbäume
begannen. "Schuld" hieran trägt ein Nachtschmetterling, oder genauer
dessen Raupen, die sich auf das Blattwerk des weißen Maulbeerbaumes
spezialisiert haben. Zur Verpuppung spinnt sich das Insekt einen Kokon, der aus
einem einzigen über 1500m langen Seidenfaden besteht - Ausgangspunkt für die
Produktion kostbarer Naturseiden.
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Maulbeerbaum in Palmbach in der
Talstraße |
| Die
Gattung Morus
Maulbeerbäume zählen zur Gattung Morus. Verwandtschaft besteht zu der Feige
oder dem altbekannten Gummibaum. Schwarzer (Morus nigra) und weißer
Maulbeerbaum (Morus alba) stammen aus Westasien bzw. Fernost. Auch ein Morus
rubra aus Nordamerika ist bekannt. Für uns interessant sind in erster Linie
die weißen Maulbeerbäume. Die Chinesen entwickelten die Kultur des Baumes
über die Jahrtausende zur großen Vollkommenheit. Aus einst rein männlichen
oder weiblichen Bäumen hat die Zucht Exemplare selektiert, die zur
Selbstbestäubung fähig sind und für die Raupen besonders schmackhaftes
Laubwerk hervorbringen.
Die Urform des schwarzen
Maulbeerbaumes, dessen Blätter den Seidenraupen weniger munden, ist heute
nicht mehr bekannt, ebenso verschwand die Wildform des Seidenraupenspinners.
Erste Maulbeerbäume in
Europa
Bereits im sechsten Jahrhundert vor Christi
tauchen erste schwarze Maulbeerbäume in Griechenland auf. Sie werden ihrer
Früchte wegen kultiviert. Im 6. Jahrhundert nach Christi dann sind Nachweise
weißer Maulbeer-Kulturen in Europa bekannt. Mönche, so die Vermutung,
schmuggelten in Bambusstäben versteckte Seidenraupeneier nach Europa, war es
doch jedem Chinesen bei Androhung der Todesstrafe verboten über die
Seidenraupenzucht auch nur zu reden. Insbesondere in den wärmeren Ländern
Europas wie Italien, Südfrankreich, Griechenland und der Türkei breitete sich
daraufhin der Anbau von Maulbeerkulturen und die Seidenraupenzucht aus.
Maulbeeren
in Deutschland
Friedrich der Große ließ im 18. Jahrhundert
verstärkt Maulbeerbäume in Deutschland anbauen, Schul- und Kirchhöfe sowie
Straßenränder wurden bevorzugt bepflanzt. Selbstversorgung in Sachen
Seidenproduktion schwebte dem Kaiser vor. Doch diese Initiativen erwiesen sich
zumindest für die Produktion von Naturseide als Flop. Hoher Arbeitsaufwand,
Unwissenheit über die Seidenraupenzucht, Klima und Krankheiten ließen das mit
zwei Millionen Talern geförderte königliche Selbstversorgerideal scheitern. In
etlichen Dörfern Brandenburgs gibt es allerdings heute noch Überbleibsel aus
jener Zeit zu entdecken.
Maulbeerbäume werden heute kaum noch
gepflanzt. Ein Grund den erhalten gebliebenen Exemplaren aus unserer preußischen
Vergangenheit unter kulturhistorischen Gesichtspunkten mehr Augenmerk zu widmen.
In Palmbach standen bis Ende des zweiten Weltkrieges noch vereinzelt alte
Maulbeerbäume im Ort. Zur Zeit ist uns in Palmbach ein Maulbeerbaum bekannt, der
vor ca. 15 Jahren gepflanzt wurde.
Liebhaber, die Spass am Experimentieren haben oder sich an Maulbeergelee und
Maulbeerwein versuchen wollen, können durchaus im eigenen Hausgarten an
geschützter Stelle eine Neuanpflanzung wagen.
In Palmbacher wurde zum Waldenserjubiläum 2001
ein Maulbeerbaum gepflanzt. Gehen Sie diesem Beispiel nach, Sie erhalten damit
eine alte Tradition aufrecht.
Hier können Sie Maulbeerbäume im
Internet bestellen:
Baumschule Eggert
Es werden dort zahlreiche Raritäten, unter anderem auch die
schwarze
und weiße
Maulbeere angeboten.
Machen Sie am besten mit Ihren Nachbarn und Bekannten eine Sammelbestellung, um
die Versandkosten zu sparen.
Weitere Bezugsquellen für Maulbeerbäume:
- Flora Mediterranea, Köchel chr. & M, Königsgütler Nr. 5, 84072 Au, Tel.:
08752/1238
- Baumschule Brenninger Andreas, Hofstarring, 84439 Steinkirchen, Tel.:
08084/259903
- Qualitätsbaumschule Ganter Klaus, Baumweg 2, 79369 Wyhl, Tel.: 07642/1061
- Hans Bartsch, Nothgottesstraße, 65366 Geisenheim, Tel.: 06722/75622
- Baumschule Peter Klock, Stutsmoor 42, 22607 Hamburg, Tel.: 040/8991698
- sowie vielen weitere Baumschulen in Ihrer Region |
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Steckbrief
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Art:
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Schwarze
Maulbeere, Morus nigra. Im Altertum im Mittelmeerraum als
Obstbaum (Sirup, Marmelade, Wein) angebaut, geeignet als
Spalierobst an der Südfassade
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Weiße
Maulbeere, Morus alba. Futterpflanze der Seidenraupe (Bombyx
mori). Von China über Vorderasien nach Europa gekommen.
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Frucht
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rot bis purpurschwarz, ähnelt
Himbeere, Reife im Sommer, schmeckt süß-säuerlich
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Weiß, hellrosa, aber auch
schwarzrot, schmeckt fade
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Blätter
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7 - 18cm lang, etwa 8cm breit,
kurz gestielt, dunkelgrün, breit, ei- bis herzförmig, selten
gelappt,, oberseits rau
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7 - 18cm lang, etwa 8cm breit,
hellgrün, breitovale aber auch gelappte Blätter, oberseits
glatt
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Heimat
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Keine
Wildvorkommen mehr bekannt, vermutlich Westasien
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China, Korea
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Wärme liebend, frostempfindlich
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In der Jugend frostempfindlich
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Höhe
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Acht bis zwölf Meter, breit
ausladende Krone, langsam wachsend
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Zehn bis fünfzehn Meter hoch,
schmale Krone
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Bemerkung
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Wird auf Unterlagen von M. alba
gezogen, dann schnellwüchsiger und winterhärter
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Gelangte mit der Seidenraupe
nach Europa. Anbau verlor durch die Produktion moderner
Kunstseide an Bedeutung
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Von der Seidenraupe bis zum
fertigen Seidentuch
Den Faden, aus der die Seide
gewebt wird, gibt es fix und fertig in der Natur! Die Seide ist weich,
geschmeidig, fein, leicht und trotzdem so fest wie Stahldraht. Die Seide wurde
in China entdeckt und kam dann etwa 3000 Jahre später zu uns.
Der Maulbeerspinner ist ein
weißer Falter. Das Weibchen legt im Sommer etwa 500 Eier. (Größe = •). Aus den
Eiern schlüpfen im Frühling die Seidenraupen. Die Raupe ist schwarz und etwa 3
mm lang. Das Leben der Seidenraupe ist sehr kurz. Sie lebt nur etwa 6 Wochen.
Nach dem Ausschlüpfen frisst
sie sehr viele Blätter vom Maulbeerbaum. Sie wächst und wächst und wird immer
dicker. Wird es ihr in der Haut zu eng, stösst sie diese ab, und eine neue
wächst nach.
Wenn die Raupe groß genug ist,
etwa 8 cm lang, fängt sie an, eine Hülle um sich zu spinnen, den Kokon. Aus
ihren Spinndrüsen presst die Raupe den Seidenfaden heraus. Der Faden kann bis zu
3 km lang werden. Wenn der Kokon fertig ist, schläft sie in ihm ein.
Im Innern des Kokons verpuppt sich die Raupe. Und 14 Tage danach verwandelt sich
die Puppe in einen Falter, der aus dem Kokon schlüpft. Das Weibchen legt dann
wieder Eier.
Es dürfen aber nicht alle
Puppen ausschlüpfen. Der Kokon geht nämlich kaputt, wenn der Falter ausschlüpft.
Die Seidenzüchter lassen deshalb nur ein paar Falter herauskommen. Den Rest der
Kokons sammeln sie vorher ein. Diese Kokons werden dann mit heißer Luft erhitzt,
um die Falterpuppen abzutöten. Anschließend wirft man die Kokons in kochendes
Wasser, so dass sie weich werden. Jetzt wird der Seidenfaden vom Kokon
abgewickelt.
Mehrere Seidenfäden geben dann
zusammen einen Seidenfaden. Diese Seidenfäden haben aber noch zu viel
Seidenleim. Deshalb werden die Fäden noch einmal in heißem Wasser gekocht. Die
gewaschenen Seidenfäden werden meist noch gefärbt. Aber dann kann man sie zu
wunderschönen Stoffen verarbeiten.
Aus Seide werden nicht nur
Kleider gemacht, sondern auch Vorhänge, Krawatten, Bettwäsche, Schals, Kissen,
usw. und sogar Regenschirme.
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© Roland Jourdan
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